Angrillen.

Du denkst, es ist nur ein Wort. Es klingt harmlos, fast niedlich. So ein kleines, unauffälliges Wort, das irgendwo zwischen „Sonntagsbraten“ und „Picknick“ sitzt und sich nichts dabei denkt. Aber lass dich nicht täuschen. Grillen ist Krieg. Es ist der Moment, in dem Männer, die sonst nicht einmal wissen, wo die Glühbirnen im Haus sind, plötzlich zu Kriegsherren der Holzkohle mutieren. Die Augen verengen sich, die Luft knistert vor Spannung – und dann der Schrei: Angrillen!

Das „An“ im Angrillen ist kein zaghaftes Vorspiel. Es ist der Schlachtruf. Hier wird nicht nur gegrillt. Hier wird Geschichte geschrieben, der Sommer eingeläutet, das Leben gefeiert. Die Terrasse verwandelt sich in ein Schlachtfeld, auf dem Kohle und Bier die Waffen und das Fleisch die Trophäen sind. Man steht da, in der einen Hand das Bier, in der anderen die Grillzange. Der Feind? Minusgrade, Regen, Schnee. Egal. Du bist draußen, weil du es willst. Der Winter soll sehen, wer hier das Sagen hat.

Und dann die Kohle, aus dem Schuppen geholt wie ein Schatz aus vergangenen Zeiten. Der Grill, dieser rostige Thron des Königs, wird mit fast religiösem Ernst aufgebaut. Feuer. Rauch. Kein Gas – nein, das wäre zu einfach, zu modern. Es muss Kohle sein, echte Glut, ein archaischer Akt, als hätte man das Feuer erfunden. Es geht ums Prinzip.

Du stehst da und siehst zu, wie das Fleisch langsam auf dem Rost schwitzt. Du schwitzt mit. Aber das macht nichts, das gehört dazu. Der erste Biss wird kommen, das weißt du. Und ja, natürlich wird es schmecken wie jedes Jahr: ein bisschen zu rauchig, vielleicht ein bisschen zu zäh, aber das macht nichts. Das ist nicht der Punkt.

Der Punkt ist das Ritual. Der Rauch steigt auf wie ein Zeichen, ein Fanal des Sieges über den Winter, über die Kälte, über den Alltag. Du bist jetzt mehr als nur der Mann am Grill, du bist der Herr des Feuers, der Architekt der ersten Flammen, der Eröffner der Grillsaison. Die anderen klopfen dir auf die Schulter und sagen: „Perfekt, besser geht’s nicht.“ Dabei wissen alle, dass das Fleisch vielleicht eher die Konsistenz von Leder hat, die Wurst ihre besten Tage längst hinter sich hat. Aber egal. Es ist der Weg, der zählt, nicht das Ziel.

Man steht da, das Bier in der Hand, die Flammen im Blick, und denkt: Das ist es. Es ist nicht das Essen. Es ist das Gefühl, die Auferstehung aus der Dunkelheit des Winters. Grillen ist kein Event, es ist ein Statement. Ein Triumph über die kalten Monate, in denen du gezwungen warst, drinnen zu sitzen. Jetzt hast du den ersten Schritt gemacht. Und mit jedem Bissen flüstert der Rauch über dir: Du hast gewonnen.

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