Die Brüder Gallagher. Man könnte sagen, es ist, als würden sich zwei Veteranen eines längst verlorenen Krieges plötzlich wieder auf dem Schlachtfeld treffen – nur dass sie nicht mehr wissen, worum es damals eigentlich ging. Jahrelang haben sie sich gegenseitig beschossen, Beleidigungen wie Munition verschossen, und jetzt? Jetzt sitzen sie da, grinsen schief und tun so, als wäre das alles nur ein blöder Witz gewesen. Die Presse ist voll von diesem Comeback – und man denkt: Was zum Teufel?

Aber dann passiert es: Sie sind wieder da. Oasis. Die Band, die für viele von uns so viel mehr war als Gitarrenriffs und Gallagher-Dramen. Das brauchen wir doch, oder? Es ist nicht nur eine Reunion für die Brüder, es ist eine Reunion für uns alle. Für die verlorenen Seelen der 90er, die irgendwo in diesem Wirrwarr aus Job, Leben, Familie und „Was ist eigentlich aus mir geworden?

Oasis sind die Jungs, die uns damals die perfekte Wut gegeben haben, als wir selbst noch nicht wussten, wie wir mit all dem umgehen sollten. Don’t look back in anger – das war unsere Hymne, obwohl wir keine Ahnung hatten, worüber wir so wütend sein sollten. Aber es war okay, weil Liam und Noel es für uns herausgebrüllt haben. Jetzt kommen sie zurück und tun so, als wäre das alles nie passiert. Wir sitzen alle da, schauen uns unsere abgegriffenen Definitely Maybe-CDs an und denken: Könnte das wirklich noch was werden?

Es fühlt sich seltsam vertraut an, aber auch irgendwie surreal. Denn seien wir ehrlich: Diese Reunion ist nicht nur für sie. Sie ist für uns. Für uns, die wir uns irgendwo auf dem Weg zur Mitte 40 verlaufen haben und nicht genau wissen, wie wir da hingekommen sind. Wir sind diese Typen, die mal dachten, sie hätten alles im Griff – und jetzt, verdammt, jetzt kommen Liam und Noel zurück, und plötzlich scheint es doch noch ein bisschen Hoffnung zu geben.

Und natürlich wird es nicht mehr so sein wie damals. Sie sind älter, wir sind älter. Die Songs, die Chemie, das ist alles nicht mehr so. Aber darum geht es auch nicht. Es geht nicht darum, wieder die beste Band der Welt zu sein. Es geht darum, dass sie wieder da sind. Dass sie uns noch einmal zeigen, dass es okay ist, wieder zusammenzukommen, auch wenn alles in Scherben liegt. Dass es nicht zu spät ist. Das brauchen wir doch alle, oder? So ein kleines Comeback. Ein Zeichen, dass da noch was ist.

Du hörst Live Forever, drehst die Boxen auf, machst die Augen zu – und für diesen Moment bist du wieder da. Du bist wieder 17, stehst mit einer Zigarette vor dem Club und die Welt fühlt sich riesig an, wie ein Ort, der nur darauf wartet, von dir erobert zu werden. Das ist naiv, klar, aber scheiß drauf. Genau das ist der Punkt. In diesem Moment fühlt sich alles wieder groß an. Die Zweifel, die Zeit – alles verschwindet, weil Liam wieder singt. Weil die Gallagher-Brüder, diese zwei Typen, die sich nie richtig verstanden haben, es noch mal versuchen. Für uns. Für sich selbst. Für diese verdammte Nostalgie, die uns jetzt wieder einholt.

Und ja, vielleicht streiten sie sich morgen wieder. Vielleicht zerbricht das ganze Ding in tausend Stücke, weil, nun ja, das ist ihr Stil. Aber heute? Heute singen sie Wonderwall. Und das ist mehr, als wir je erwartet hätten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

You may also enjoy…