Frankfurt (Oder).

Schon der Name, Frankfurt (Oder), klingt nach dem Kumpel, der auf jeder Party als Letzter genannt wird. Dieses unsichere „Oder“ hängt am Ende, als hätte die Stadt bei ihrem eigenen Vorstellungsgespräch das Wichtigste vergessen. Man hört: „Ja, Frankfurt… Oder…“ und weiß genau, dass es die kleine Schwester ist, die schüchterne Version von Frankfurt am Main, dem Großen, dem mit der Skyline und den Anzügen.

Frankfurt (Oder)? Steht daneben, schiebt die Hände in die Hosentaschen, grinst schief und denkt: „Ja, hier bin ich auch.“ Doch während Frankfurt am Main mit Wolkenkratzern und Bankern auftrumpfen kann, zieht sich Frankfurt (Oder) zurück. Will nicht auffallen. Kein Drama, keine Show. Nur eine Stadt, die man erst richtig wahrnimmt, wenn man sich die Zeit nimmt, genau hinzuschauen. Der Typ, der auf der Party still in der Ecke sitzt und plötzlich eine Geschichte erzählt, bei der alle denken: „Wow, wo kommt das denn her?“ Frankfurt (Oder) ist da, ganz ruhig, ganz unaufgeregt, und irgendwie gerade deshalb sympathisch.

Und dann die Oder, dieser Fluss, der aussieht, als hätte er sich bewusst dafür entschieden, alles in Zeitlupe zu erledigen. Kein Drama, keine spektakulären Wellen – nur Wasser, das fließt, als sei Eile ohnehin überbewertet. Es ist der Soundtrack einer Stadt, die keine Show macht, weil sie weiß: Show? Das brauchen wir hier nicht. Sie hat diesen trockenen Humor, diesen lakonischen Witz, den nur Städte haben, die längst wissen, dass sie niemandem etwas beweisen müssen.

In Frankfurt (Oder) ist nicht viel los. Und genau das ist der Punkt. Man sitzt in einem Café, schaut zu, wie nichts passiert, und plötzlich merkt man: Genau das brauche ich. Kein Geschrei, kein Lärm, nur Stille, die sich nicht schämt, da zu sein. Die Stadt weiß, dass sie keine Wolkenkratzer hat, und das ist okay. Sie lacht darüber.

Beton? Ja, klar. Die Plattenbauten stehen hier wie alte Kumpel, die es sich irgendwann auf dem Sofa gemütlich gemacht haben und einfach nicht mehr weg wollen. Aber man hat sie akzeptiert, weil sie dazugehören, wie die Europa-Universität Viadrina. Das klingt nach etwas Großem, nach internationalen Debatten und der Zukunft Europas. Und die Realität? Na ja, der letzte freie Platz im Erasmus-Programm. Frankfurt weiß das. Es tut nicht so, als wäre es mehr, als es ist.

In Frankfurt (Oder) gibt es keinen Stress. Es ist die Stadt, die dir sagt: Bleib, wenn du willst. Wenn nicht, auch gut. Ich bin da, wenn du mich brauchst.“ Kein lautes „Hier bin ich!“, kein Drängen. Frankfurt ist der Onkel, der auf der Familienfeier zwei Bier trinkt und sich dann gemütlich zurückzieht, während der Rest noch versucht, den perfekten Drink zu mixen. Man kommt hierher, erwartet nichts – und das ist das Beste daran.

Frankfurt (Oder) ist wie der alte Mantel, den man an einem Regentag aus der hintersten Ecke des Kleiderschranks holt. Nicht schick, nicht auffällig, aber er hält warm. Und das reicht.

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